Kindermösen

Von überall schallt sie momentan her: Die Sorge übers Schamhaar. Oder besser: übers nicht mehr vorhandene Schamhaar. Offensichtlich darf man sich durch den Befreiungsschlag einer Charlotte Roche nun auch unbekümmert im Spiegel, in der Emma und in der Zeit (dort sogar mit schwarz/weiß Nahaufnahme einer rasierten Vagina) über Schamhaarfrisuren äußern.
Nun berichten genannte Magazine/Wochenzeitschriften aber natürlich keineswegs über die neuesten Trendfrisuren im Intimbereich, sondern erheben mal wieder den Zeigefinger. Muss ja in Deutschland so sein. Geht es rund um das Thema Sex ist das in Deutschland dem Hartzler und dem Asozialen vorbehalten, nur die paaren sich wie wild (was machen wir mit Frau von der Leyen?), besuchen Swingerclubs etc. Kann man alles auf dem Proletariatssender RTL2 lernen.
Genannte Gazetten machen sich nun also Sorgen um unser aller Intimbereich, im Speziellen um den Intimbereich der Jugendlichen. Denn die rasieren sich angeblich zwanghaft und durch das transportierte Bild der Medien bereits mit 15. Oh mein Gott.

Ich gebe zu, als ich Teenager war gab es dieses berühmte schwarz/weiß Foto von Naomi Campbell wie sie sich die Beine rasierte das mich geprägt hatte. Allerdings hat mich damals nicht geprägt, dass sich Frau Campbell die Beine rasierte, sondern dass sie dabei unglaublich sexy aussehen konnte. Auch heute würde ich viel lieber Frau Campbell beim rasieren ihrer Beine zuschauen, anstatt Frau XY wie sie sich ihre behaarten Beine eincremt.

Bin ich also Opfer der Medien? Bin ich Proletariat weil ich Sex gut finde und mir meinen Intimbereich rasiere?
Fest steht: Als auch nur das Sprießen eines halben Schamhaares bei mir noch in weiter Ferne lag bekam ich mal eine Praline in die Hand (nein, nicht dieses Schokozeugs, sondern diese äh Zeitung) und in dieser war unter anderem eine Asiatin abgebildet mit so gut wie keinem Schamhaar, während die anderen Frauen auf den Bildern den Umgang mit dem Rasierer noch lernen mussten. Und alles was ich in diesem Moment dachte war: Bitte, lass mich später mal nur so behaart sein wie diese Asiatin!
Das hat zwar nicht ganz geklappt, aber mittlerweile weiß ich ja wie man da nachhelfen kann. Ich möchte soweit gehen und sagen, dass ich vor gut und gerne 18 Jahren noch von keinem Popstar, oder wem auch immer der Spiegel etc. da gerne die „Schuld“ zuschieben möchte, beeinflusst war.

Die Frage ist also: Was zur Hölle ist so schlimm daran, wenn man sich den Intimbereich rasiert? Sind wir Frauen denn alle nur blind folgende Lemminge, die einem Trend nacheifern, der ursprünglich aus der (pfui) Pornoindustrie kam? Können wir keine eigenen Entscheidungen treffen und einfach stolz sagen: Hey, das hier ist meine Möse und ich will sie der Welt gerne zeigen und sie nicht hinter Haaren verstecken! Wieso sind wir Frauen immer die bemitleidenswerten Dummchen, die nur auf Druck von Madonna oder Britney Spears auch zum Rasierer greifen?

Wieso spricht die Emma bei rasierten Mösen von „Kindermösen“?
Geht’s noch? Wer von euch denkt beim Anblick meines rasierten Intimbereichs an eine Kindermöse?!
Ich bekomme im Jahr 2009 als Frau offensichtlich noch immer das Recht auf eine freie Sexualität abgesprochen, auf eine freie Wahl meiner Schambehaarung, auf eine freie Zurschaustellung meiner Möse und das macht mich wütend. Ich sehe es nicht ein, von irgendwelchen Frauen, die sich das Recht herausnehmen für mich als Frau zu kämpfen gesagt zu bekommen ich hätte eine Kindermöse, bloß weil ich mich gerne auf das Gesicht meines Partners setzen möchte, ohne dass er alle paar Minuten aufhören muss mich zu lecken, weil er Haare auf der Zunge hat.

Lieber Spiegel, liebe Zeit, liebe Emma – ich bin stolz auf meine Kindermöse.

By admin | 29. Jul 2009 | Posted in Text | Tags: , , , , , , , , , , , , | Comments (0)

Bambiland

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