Offener Brief an die Deutsche Bahn
Liebe Deutsche Bahn,
ich weiß, ich habe lange nichts mehr von mir hören lassen. Was natürlich nicht daran lag, dass Du nichts für unsere Feindschaft getan hast. Ganz im Gegenteil, seitdem ich aus dem Urlaub zurück bin bemühst Du Dich sogar noch mehr um mich als vorher!
Heute möchte ich Dich mal dafür loben, wie häufig Du mich um mein Verständnis bittest. Ich kenne niemanden der mich so häufig darum bittet wie Du. Natürlich habe ich deswegen Dich gewählt, als die Frage aufkam wie ich nach meinem Rückflug nach Hause kommen soll vom Flughafen. Und noch bevor ich zum ersten Mal seit gut 2 Wochen meine eigene Wohnung betreten konnte nimmst Du mich schon in Deine fürsorglichen Arme auf und sorgst dafür, dass ich mich erstmal wieder einfinden kann in Deutschland. Du gibst mir 15 Minuten extra dafür am Flughafenbahnhof! Und bevor ich dann im Hauptbahnhof aussteigen darf, weil Du ausnahmsweise nicht bis Offenbach fährst und ich deswegen umsteigen darf, hast Du sogar noch um mein Verständnis gebeten. Das war großartig von Dir. Ich habe mich direkt wieder zu Hause gefühlt. Danke!
Seit gestern fährst Du sogar ein extra Programm für mich auf. Ich weiß gar nicht, womit ich so viel Aufmerksamkeit von Dir verdient habe. Den größten Coup hast Du gestern früh gelandet, als auf der Anzeigentafel neben meinem Zug nur stand „Zug fällt aus” – aber kurz drauf hat mich eine warme Stimme um Verständnis gebeten. Klar doch! Sitze ja jetzt nur 30 Minuten länger in der S-Bahn, die in der Regel so verspätet ist, dass ich meinen Anschluss nicht bekomme und bin dann nur 60 Minuten später auf der Arbeit. Nach der Arbeit hast Du Dir dann noch ein kleines Scharmützel erlaubt und bist einfach 12 Minuten auf offenem Feld stehen geblieben wegen einer Signalstörung. Aber wieder hast Du um mein Verständnis gebeten, süß wie Du bist. Die Damen in der Maske vom Theater fanden es auch ganz putzig, dass sie dadurch noch weniger Zeit hatten mich zu schminken. Sei Dir sicher, Du hast uns allen damit eine Freude gemacht.
Heute früh hast Du Dich allerdings ganz ohne Bitte um Verständnis 10 Minuten verspätet…aber das war ja nur Dein kleiner Bruder, der RMV. Dem musst Du solche Manieren erst noch beibringen. Du warst heute pünktlich am losfahren, musstest dann aber vor dem Tunnel anhalten, wegen einer Überholung durch einen verspäteten Zug und hast damit eine neue Bedeutung in das Wort „Überholung” gelegt…denn normalerweise wird man ja von einem Zug überholt, der in die gleiche Fahrtrichtung verkehrt. Wir wurden allerdings heute von einem Zug überholt der uns entgegenkam!
Aber ich wusste es ja schon immer, Du kannst nicht von dieser Welt sein. Ich freue mich schon auf weitere Abenteuer mit Dir!





